Hunde
Geschwollene und aufgequollene Ohren bei Hunden
Wenn das Ohr eines Hundes geschwollen und aufgedunsen ist, kann das für Tierbesitzer beunruhigend sein. Dieser Zustand kann beim Hund Unbehagen und sogar Schmerzen verursachen und deutet oft auf ein zugrunde liegendes Gesundheitsproblem hin, das behandelt werden muss.
Von Dr. Isabella Miao
7 min read
Die Ohren eines Hundes sind nicht nur ein wichtiges Organ für das Hören, sondern auch ein entscheidender Indikator für die allgemeine Gesundheit. Wenn das Ohr eines Hundes geschwollen und aufgedunsen ist, kann dies für Tierbesitzer alarmierend sein. Dieser Zustand kann beim Hund Unbehagen und sogar Schmerzen verursachen und deutet oft auf ein zugrunde liegendes Gesundheitsproblem hin, das behandelt werden muss.
In diesem Artikel werden wir:
- die Gründe untersuchen, warum das Ohr eines Hundes anschwellen kann
- mögliche Ursachen dieses Zustands erörtern
- Anleitungen zur Behandlung und Vorbeugung geben
Anatomie des Hundeohrs
Bevor wir uns mit den Gründen für geschwollene und aufgedunsene Ohren bei Hunden befassen, ist es wichtig, die Anatomie des Hundeohrs zu verstehen. Das Ohr eines Hundes besteht aus drei Hauptteilen:
- Außenohr: Dazu gehören die Ohrmuschel (Pinna) und der Gehörgang. Die Ohrmuschel fängt Schallwellen auf und leitet sie in den Gehörgang.
- Mittelohr: Dieser Teil enthält das Trommelfell und drei kleine Knochen (Gehörknöchelchen), die Schallschwingungen vom Trommelfell zum Innenohr übertragen.
- Innenohr: Dieser Abschnitt umfasst die Cochlea (zuständig für das Hören) und das Vestibularsystem (zuständig für das Gleichgewicht).
Warum ist das Ohr meines Hundes geschwollen?
Häufige Ursachen

1. Hämatom:
Einer der häufigsten Gründe für ein geschwollenes und aufgedunsenes Ohr bei Hunden ist ein Othämatom. Dies tritt auf, wenn Blutgefäße in der Ohrmuschel platzen, was zu einer Blutansammlung zwischen Haut und Knorpel führt. Hämatome werden oft durch Traumata oder heftiges Kopfschütteln verursacht.
2. Ohrentzündungen:
Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) ist eine weit verbreitete Ursache für Ohrenschwellungen bei Hunden. Bakterien, Hefepilze oder andere Pilze können das Ohr infizieren und zu Entzündungen und Schwellungen führen. Ohrentzündungen können durch Allergien, Feuchtigkeit, Fremdkörper oder übermäßiges Ohrenschmalz entstehen.
→ Ohrentropfen bei Ohrentzündungen
3. Allergien:
Hunde können unter Umwelt-, Futter- oder Kontaktallergien leiden, die dazu führen können, dass ihre Ohren entzündet und geschwollen sind. Allergische Reaktionen führen häufig zu Sekundärinfektionen.
4. Fremdkörper:
Gegenstände wie Grassamen, Schmutz oder Insekten können sich im Ohr eines Hundes festsetzen und Reizungen, Entzündungen sowie Schwellungen verursachen.
5. Trauma:
Körperliche Verletzungen wie Bisse oder Kratzer können zu geschwollenen Ohren führen. Hunde geraten oft in Kämpfe oder erleiden Unfälle, die zu einem Ohrtrauma führen.
6. Tumore und Wucherungen:
Polypen, gutartige Tumore und bösartige Wucherungen können sich im Ohr eines Hundes entwickeln und zu Schwellungen sowie Unwohlsein führen.
ICD-10-CM-Diagnosecode: 720.19
Der ICD-10-CM-Code 720.19 steht für „Sonstige entzündliche Spondylopathien, Stelle nicht näher bezeichnet“. Obwohl dieser Code nicht direkt mit Ohrerkrankungen zusammenhängt, unterstreicht er die Bedeutung einer genauen Diagnose und Kodierung von tiermedizinischen Erkrankungen. Speziell bei Ohrproblemen liegt der Fokus darauf, die genaue Ursache der Schwellung zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.
Diagnose
1. Körperliche Untersuchung:
Ein Tierarzt beginnt mit einer gründlichen Untersuchung des Hundeohrs. Dabei wird nach sichtbaren Anzeichen einer Infektion, Fremdkörpern oder Verletzungen gesucht.
2. Otoskopie:
Mithilfe eines Otoskops kann der Tierarzt tiefer in den Gehörgang schauen, um Anzeichen einer Infektion, Entzündung oder Fremdkörper zu erkennen.
3. Zytologie:
Die Entnahme einer Probe des Ohrausflusses und deren mikroskopische Untersuchung können helfen, Bakterien, Hefepilze oder Parasiten zu identifizieren.
4. Allergietests:
Wenn Allergien vermutet werden, können Tests auf spezifische Allergene helfen, die Ursache einzugrenzen.
5. Bildgebung:
In Fällen, in denen Tumore oder tiefe Infektionen vermutet werden, können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder MRT eingesetzt werden.
Behandlungsoptionen
Hämatome
1. Aspiration:
Der Tierarzt kann eine Nadel verwenden, um das Blut aus dem Hämatom abzusaugen. Diese Methode hat jedoch eine hohe Rezidivrate.
2. Chirurgischer Eingriff:
Eine Operation ist oft die effektivste Methode zur Behandlung von Othämatomen. Der Tierarzt entleert das Blut und näht das Ohr, um ein Wiederauftreten zu verhindern.
3. Medikamentöse Behandlung:
Entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika können verschrieben werden, um Schwellungen zu reduzieren und Infektionen vorzubeugen.
Infektionen
1. Reinigung:
Regelmäßige Reinigung des Ohrs mit einer vom Tierarzt empfohlenen Lösung kann helfen, Infektionen zu kontrollieren.
2. Medikamente:
Antibiotische oder antimykotische Ohrentropfen werden häufig zur Behandlung von Infektionen verschrieben. Bei schweren Fällen können orale Medikamente notwendig sein.
3. Nachsorge:
Kontrolluntersuchungen und Folgetermine sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig abgeklungen ist.
Allergien
1. Allergietests:
Das Identifizieren und Meiden von Allergenen ist entscheidend. Dies kann Ernährungsumstellungen oder Änderungen der Umgebung beinhalten.
2. Medikamente:
Antihistaminika, Steroide oder andere Medikamente können verschrieben werden, um allergische Reaktionen zu kontrollieren.
3. Langzeitmanagement:
Bei chronischen Allergien können eine Immuntherapie oder regelmäßige Medikamente erforderlich sein.
Fremdkörper
1. Entfernung:
Der Tierarzt entfernt den Fremdkörper vorsichtig aus dem Ohr. Für diesen Eingriff kann eine Sedierung oder Narkose erforderlich sein.
2. Behandlung von Folgeerscheinungen:
Wenn der Fremdkörper eine Infektion oder starke Reizungen verursacht hat, können zusätzliche Behandlungen wie Antibiotika oder Entzündungshemmer notwendig sein.
Tumore und Wucherungen
1. Biopsie:
Eine Biopsie kann durchgeführt werden, um festzustellen, ob ein Tumor gutartig oder bösartig ist.
2. Chirurgische Entfernung:
Gutartige Tumore werden oft chirurgisch entfernt. Bösartige Tumore können eine umfangreichere Behandlung erfordern, einschließlich Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie.
3. Laufende Überwachung:
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, um ein Wiederauftreten oder Metastasen zu überwachen.
Sollte ich geschwollene Ohren bei Hunden zu Hause behandeln?
Es mag verlockend sein, die geschwollenen Ohren eines Hundes zu Hause zu behandeln, besonders wenn Sie Ihrem Haustier sofortige Linderung verschaffen möchten. Es ist jedoch wichtig, dabei vorsichtig vorzugehen. Geschwollene Ohren bei Hunden können ein Symptom für verschiedene zugrunde liegende Probleme sein, darunter Infektionen, Allergien, Hämatome oder im Ohr steckengebliebene Fremdkörper. Hier sind die Überlegungen und Schritte, die Sie unternehmen sollten, wenn Sie auf dieses Problem stoßen:
Wann Sie einen Tierarzt aufsuchen sollten
-
Schweregrad der Schwellung: Wenn die Schwellung stark ist, schmerzhaft oder von anderen Symptomen wie Ausfluss, Geruch oder Fieber begleitet wird, ist es unerlässlich, sofort einen Tierarzt aufzusuchen. Schwere Fälle erfordern oft professionelle Intervention.
-
Zugrunde liegende Erkrankungen: Schwellungen können durch verschiedene Zustände wie Ohrentzündungen, Hämatome oder Allergien verursacht werden. Ein Tierarzt kann die Ursache genau diagnostizieren und eine geeignete Behandlung empfehlen.
-
Dauer der Symptome: Wenn die Schwellung länger als ein oder zwei Tage anhält oder sich trotz häuslicher Pflege verschlimmert, ist ein Tierarztbesuch notwendig. Chronische Probleme erfordern eine professionelle Bewertung und Behandlung.
Schritte zur häuslichen Pflege
Wenn die Schwellung mild ist und Sie vermuten, dass sie auf eine leichte Reizung oder eine allergische Reaktion zurückzuführen sein könnte, können Sie einige erste Schritte zu Hause unternehmen:
- Ohr reinigen: Reinigen Sie den äußeren Teil des Hundeohrs vorsichtig mit einem Wattebausch, der mit einer vom Tierarzt empfohlenen Ohrlösung angefeuchtet wurde. Stecken Sie nichts in den Gehörgang, da dies weitere Schäden verursachen kann.
- Kalte Kompresse: Legen Sie für kurze Zeit eine kalte Kompresse auf die geschwollene Stelle, um Entzündungen zu lindern und Erleichterung zu verschaffen. Wickeln Sie Eispackungen in ein sauberes Tuch und wenden Sie diese mehrmals täglich für etwa 10–15 Minuten an.
- Allergien überwachen: Wenn Sie eine allergische Reaktion vermuten, versuchen Sie, das Allergen zu identifizieren und zu eliminieren. Dies könnte eine Änderung der Ernährung Ihres Hundes, das Weglassen bestimmter Leckerlis oder das Vermeiden spezifischer Umweltauslöser beinhalten.
- Kratzen verhindern: Verwenden Sie einen Elizabethanerkragen (Trichter), um zu verhindern, dass Ihr Hund an seinen Ohren kratzt, was die Schwellung verstärken und weitere Verletzungen verursachen kann.
Risiken der häuslichen Behandlung
Obwohl einige leichte Ohrprobleme zu Hause behandelt werden können, gibt es erhebliche Risiken im Zusammenhang mit einer Selbstbehandlung:
- Fehldiagnose: Ohne eine ordnungsgemäße Diagnose könnten Sie nur die Symptome behandeln, ohne die eigentliche Ursache anzugehen, was den Zustand möglicherweise verschlimmert.
- Ungeeignete Behandlung: Die Verwendung falscher oder aggressiver Reinigungslösungen oder die unsachgemäße Verabreichung von Medikamenten kann mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.
- Verzögerte professionelle Versorgung: Eine Verzögerung der tierärztlichen Behandlung kann zu schwerwiegenderen Komplikationen führen, was die Behandlung schwieriger und kostspieliger macht.
Vorbeugung
1. Regelmäßige Ohrreinigung:
Die routinemäßige Reinigung der Ohren Ihres Hundes mit einer vom Tierarzt zugelassenen Lösung kann helfen, Infektionen und Ablagerungen vorzubeugen.
2. Allergiemanagement:
Das Identifizieren und Management von Allergien durch Ernährung und Umwelt kann das Risiko von Ohrproblemen verringern.
3. Parasitenkontrolle:
Die regelmäßige Anwendung von Parasitenpräventiva kann helfen, vor Ohrmilben und anderen Parasiten zu schützen.
4. Regelmäßige Tierarztbesuche:
Routinemäßige tierärztliche Untersuchungen können helfen, Ohrprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
5. Sorgfältige Beobachtung:
Achten Sie auf Anzeichen von Ohrbeschwerden wie Kratzen, Kopfschütteln oder Ausfluss und suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf, wenn diese auftreten.
Fazit
Geschwollene und aufgedunsene Ohren bei Hunden sind ein häufiges Problem, das durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden kann, darunter Hämatome, Infektionen, Allergien, Fremdkörper, Traumata und Tumore. Das Identifizieren der zugrunde liegenden Ursache durch eine gründliche tierärztliche Untersuchung und entsprechende diagnostische Tests ist für eine effektive Behandlung unerlässlich. Indem Tierbesitzer die potenziellen Ursachen verstehen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen, können sie dazu beitragen, dass die Ohren ihrer Hunde gesund und frei von Beschwerden bleiben. Regelmäßige tierärztliche Betreuung, richtige Ohrhygiene und schnelle Aufmerksamkeit bei ersten Anzeichen von Ohrproblemen sind entscheidende Schritte, um die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres Hundes zu erhalten.
Über den Autor
Isabella Miao, DVM
Tierarzt
Dr. Isabella Miao ist eine mitfühlende und engagierte Tierärztin mit über 10 Jahren Erfahrung in der außergewöhnlichen Versorgung von Haustieren aller Art. Dr. Miao ist auf Präventivmedizin und Notfallversorgung spezialisiert und setzt sich leidenschaftlich für die Förderung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens von Tieren ein. Ihr umfangreiches Wissen, kombiniert mit ihrer einfühlsamen Herangehensweise, hat ihr das Vertrauen und die Bewunderung von Tierhaltern und Kollegen gleichermaßen eingebracht.
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